Tony Böhle

Boehlegeboren im Jahr 1983

in Rochlitz

lebt heute in Chemnitz

Kurz-Vita

verheiratet, zum Chemiestudium erst einige Jahre in Chemnitz und Freiberg. Schreibt seit 2012, zunächst Haiku, seit 2013 nur noch Tanka. Herausgeber des online-Journals „Einunddreißig“ für Tanka

Veröffentlichungen

mittlerweile sind Beiträge in den Zeitschriften bzw. Onlinepublikationen Gusts, The Tanka Journal, Einunddreißig, Chrysanthemum, Haiku heute, Sommergras, Haikuscope, Der Maulkorb und eXperimenta erschienen

 

www.einunddreissig.net

Einunddreißig ist ein Online-Magazin, das die Entwicklung des deutschsprachigen Tanka und verwandter Formen fördern soll. Dazu erscheint vierteljährlich (Februar, Mai, August, November) eine Auswahl von Texten, die aus Autoreneinsendungen zusammengestellt wird. Jeder ist dabei herzlich eingeladen eigene Tanka einzureichen. Zudem finden sich auf den Seiten von Einunddreißig weitere Informationen rund um das Tanka. Sonderbeiträge (Tanka-Sequenzen, Tanka-Prosa, Foto-Tanka, Rezensionen, usw.) können ebenfalls jederzeit eingereicht werden. Die vierteljährlichen Auswahlen werden archiviert und sind weiter frei zugänglich.


das Blutdruckmittel

auf dem Tisch, die Brille

gleich daneben –

ganz plötzlich wird mir klar:

Vater ist ein alter Mann

„Alle Menschen

werden Brüder…“ so heißt es

heute Abend

höre ich Beethoven

voller Resignation

mit einem Schluck Milch

steigen sie langsam herauf:

die Wolken im Tee

und mit ihnen Gedanken

an die Trübnis dieser Welt

an Putins Seite

plötzlich eine neue Frau –

im Kopf mach‘ ich mir

eine Notiz: erobert

lieber, als dass er besitzt

angekommen

in der neuen Wohnung:

der Nierentisch,

Großmutters Geschirr und

jene Angst vor einem Krieg

ein kurzer Blick,

ein flüchtiges „Hallo!“ –

so begrüßt man

die Nachbarn, deren Zwist man

kennt, doch deren Namen nicht

Musik von unten

und das Paar von nebenan –

so stimm‘ ich ein

in den Rhythmus des Hauses

und trommle an die Wand

gestrandet

in einer Stadt, wo keiner

mich kennt

lieg ich nachmittags im Park

transparent wie eine Qualle

selbst sie sind ihrem

alten Leben entwachsen

und so topf‘ ich

meine Orchideen um

so behutsam ich nur kann

mit „Glück auf!“

begrüßt entgegne ich

„Hallo!“ und

besiegele mein Leben

in der Diaspora


 

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