NRW-Treffen 2009

Ulrike Grindau
Tee und Haiku
Ganz persönlich
Vor einigen Wochen überraschte mich eine warmherzig und persönlich formulierte Einladung von Heike Stehr und Ralf Bröker zu einem Haiku- Treffen NRW in Wesel-Schermbeck am 26.09.09. Verpackt in das Wohlgefühl einer gemeinsamen Teerunde gaben sie Aussicht auf einen intensiven Kontakt mit dem Haiku, allein schon dadurch, dass von jedem Teilnehmer ein Tee- Haiku als Mitbringsel gewünscht wurde. Zudem lockte ein Vortrag zum Thema Haibun mit anschließender Diskussionsmöglichkeit, ein Haiku- Spaziergang sowie die Arbeit am Haiku. Die Impulse, die durch diese Einladung bei mir entstanden, waren vielfältig.
Zur Begrüßung an einem Tisch farbenfroher Kigo in Form einer herbstlichen Dekoration hieß Ralf Bröker uns herzlich willkommen und leitete dann die Vorstellungsrunde ein, in der 11 Teilnehmer/innen sich und ihren Zugang zum Haiku vorstellten, ihren Lieblingstee präsentierten und ihr eigenes Haiku zum Thema Tee vortrugen. Dass das Haiku nicht selten als Kraftquelle verstanden wird, blieb dabei nicht verborgen. Im Anschluss daran trug Barbara Westphal einige Ausführungen zum Haibun vor, die in der Folge diskutiert und hinterfragt wurden. Als Erweiterung wurden anhand eines Haibun ganz konkret Ansprüche und Stilistik desselbigen erörtert. Nach einem Stehimbiss machten wir uns bei herrlichstem Wetter auf den Weg zu einem Haiku- Spaziergang. Ralf Bröker verstand es, auf hervorragende Weise Stadtgeschichte, Literaturtexte verschiedenster Art und Haiku miteinander zu verweben, sodass trotz unseres Aufenthalts in der Öffentlichkeit immer wieder eine Atmosphäre der Intimität und Tiefe entstand. Bevor es in die Besprechung der mitgebrachten Haiku ging, ermunterte Klaus-Dieter Wirth die anwesenden Haijin, in erster Linie aus der inneren Bewegung und zur eigenen Freude zu schreiben, das Prozesshafte im Schreiben schätzen zu lernen und erst dann stilistisch zu feilen. Die Freude am Schreiben sei ein wichtiger Schritt für ein gelungenes Haiku. Der Gestaltungsreichtum dieser lyrischen Form zeigte sich in einer langen Runde der Besprechung und des sorgsamen Hin- und Herbewegens von 11 mitgebrachten Tee-Haiku, die auf ganz verschiedene Art und Weise persönlich und einzigartig waren.
Von Herzen Dank den beiden Initiatoren, die keine Mühe gescheut haben, den Aufwand für dieses Treffen zu betreiben.
Fotos: Heike Stehr

Die Teilnehmer und ihre Tee-Haiku
Die Libellen
werden mit jedem Schluck größer
- hab einen im TEE
Teezeit
ins Gespräch kommen
mit der Stille
Mondkühl der Tee -
nimm einen Schluck
aus meinem Becher
Gäste an der Tür
die Teerose
entfaltet ihr Aroma
Beinah am Ziel ...
im Laufschritt
zur Teezeremonie
Drei Gläser
Pfefferminztee.
Schon ist der Teppich verkauft.
Großmutters Tee-Ei
immer noch Kamillenduft
und ihr Dialekt
In klammen Fingern
dampft die Schale mit Grüntee -
Sehnsucht nach Wärme ...
Frische Sumitusche -
besser nur der Duft von
China Gunpowder
durchsichtige Nacht
auf dem Stövchen
wie damals der Tee
das Lachen
der guten Freundin
Kandis knistert