In memoriam Hans Lesener
1936 - 2012
Hans Lesener wurde in Herne (Westfalen) geboren. Er studierte Jura und Geschichte, danach war er im Wissenschaftsministerium Düsseldorf und als Hochschulkanzler berufstätig. Hans Lesener war verheiratet und hatte einen Sohn, er lebte zuletzt im Westmünsterland, züchtete Islandpferde.
Hans Lesener schrieb seit seiner Schul- und Studienzeit, über 10 Jahre lang beschäftigte er sich mit Kurzlyrik nach japanischem Vorbild. Neben dem Haiku gehörte sein besonderes Interesse dem Rengay, Haibun und dem Ruhrpotthaiku. 2010 erschien sein Debütwerk "Wolkenschatten. Kurze Lyrik, Kurze Prosa".
Ann Förderturm
von Zollverein de Flagge
auf Halbmast
Frühlingssonne.
Der alte Mann
schaut seinen Hühnern zu.
Die Fähre legt ab.
Möwenschwärme
zwischen dir und mir.
Im weiten Raum
der Hallenkirche allein.
Zu Hause.
Jahresende.
Nun unter dem Schnee
das Ungetane.
Auf der Ruine
ein verblasster Schriftzug :
'Alle Kraft dem Frie ... '.
Grenzpatrouille.
Im Stacheldraht
ein blutiger Handschuh.
Elfter September.
Vor dem Bild ihres Sohnes
spielt sie Klavier.
Auf dem Grundriss
das Wort DACHAU
in Schönschrift.
Die Überlebenden -
im Blick noch die Furcht
vor dem Meister aus Deutschland.
Blindgänger.
Ein Bagger gräbt den Krieg aus.
In memoriam
Blues beim Schwarzbrot
der Punkt am Satzende
rückt weiter ab
Ein Luftzug huscht
aus dem Fester.
Der Hengst wiehert.
