Haiku-Wettbewerb der DHG 2014

5. Haiku-Wettbewerb der DHG – 2014

Anfang Januar 2014 lobte die DHG zum fünften Male den Haiku-Wettbewerb der DHG aus. Unserer Einladung folgten insgesamt 230 Autorinnen und Autoren Wir bekamen 194 Einsendungen zum Thema GARTEN und 146 zum Thema WWW.
Unter den Einsendern waren sowohl langjährige Haiku-Schreiber als auch Leser unseres Aufrufes, die zum ersten Mal Haiku für einen Wettbewerb einreichten. Allen Teilnehmern gilt unser besonderer Dank.
Alle eingereichten Texte wurden von Stefan Wolfschütz gesammelt und anonymisiert, bevor sie an die Jury weitergeleitet wurden. Die Vorstandsmitglieder Claudia Brefeld, Horst-Oliver Buchholz, Georges Hartmann und Klaus-Dieter Wirth setzten sich virtuell zu einer Juryrunde zusammen, in der nach mehreren Bewertungen die jeweils ersten10 platzierten Haiku ermittelt wurden.
Platz 1 bis 3 erhalten Buchgutscheine, die ersten 10 bekommen Urkunden.
Nachfolgend die Ergebnisse des Wettbewerbs, eine Vorstellung der drei Preisträger der jeweiligen Themen WWW und GARTEN sowie Würdigungen ihrer Haiku.
Wir gratulieren den Platzierten zu ihrem Erfolg und wünschen allen Haiku-Freunden weiterhin viel Freude bei der kreativen Beschäftigung mit der kürzesten Gedichtform der Welt!

Der Vorstand der DHG

Ergebnis Thema GARTEN

Platz 1
Bis zur Eichenbank
noch immer der Duft aus
Vaters Rosenbeet
Regina Franziska Fischer (Bielefeld)

Platz 2
Mondesaufgang
der Klostergarten atmet
alte Stille
Angelika Holweger (Epfendorf)

Platz 3
Kindheitsgarten
der Weidenstumpf treibt wieder
Flötentöne aus
Birgit Schaldach-Helmlechner (Schlüchtern)

Platz 4
„Hier entsteht …“
Der alte Garten
noch ahnungslos
Eleonore Nickolay (Vaires sur Marne, Frankreich)

Platz 5
Im Gartenhaus
dem Herbstregen lauschend –
wie er ins Leere fällt.
Reinhard Dellbrügge (Steinfurt)

Platz 6
Nachbarschaftspflege
wir teilen den Kater
und den Maulwurf
Elisabeth Weber-Strobel (Heidenheim)

Platz 7
Die Abendstille
Zwischen den Amselstrophen
Voll von Gartenduft
Gerhard Kübelböck (Rohrbach, Österreich)

Platz 8
Im alten Garten
im Gestrüpp der Geschmack
der Kindheit
Brigitte ten Brink (Konstanz)

Platz 9
Garten der Kindheit                                                               Gartenparty
ein alter Baum trägt Äpfel                                                     Großvater holt das Care-Paket
doch der fremde Zaun                                                            aus dem Keller
Ilse Hensel (Hamburg)                                                          Birgit Heid (Landau)

 

Ergebnis Thema WWW

Platz 1
Umzugstag
die 50 Facebookfreunde
verspäten sich wohl
Heike Gericke (Chemnitz)

Platz 2
allein –
ein Klick
für den tausendsten Freund.
Silvia Kempen (Apen/ Vreschen-Bokel)

Platz 3
wiedergefunden
im World Wide Web
all meine Fragen
Eva Limbach (Saarbrücken)

Platz 4
Stasigebäude
Führung
nur mit App
Claudius Gottstein (Hilter am Teuteburger Wald)

Platz 5
Elternabend                                                                               Morgenmail
unter der Bank                                                                           Sein digitaler Kuss
mails checken                                                                             Ihr Herz offline
Elisabeth Weber-Strobel (Heidenheim)                               Angelika Seithe (Wettenberg)

Platz 6
Gesichterbuch.                                                                             Übers w-w-w
Ich folge einem Leben,                                                               zu viele Fotos vom Fuji.
das nie unseres war.                                                                    Mein Hokusai-Druck…
Stefanie Kompatscher (Wien, Österreich)                 Horst Ludwig (St. Peter, Minnesota, USA)

Platz 7
gefesselt –
nach dem kuß starrt das paar
wieder aufs smartphone
Gerald Böhnel (Hamburg)

Platz 8
E-Mail vom Enkel
Englischprüfung bestanden
I love you
Johanna Klinghofer (Halle an der Saale)

 

Portraits der jeweiligen drei Preisträgerinnen
Mit Angaben zur Person und fünf eigenen Haiku

Regina Franziska Fischer
Regina F. Fischer wurde in Herford geboren und besuchte das Gymnasium in der Wittekindstadt Enger. Danach folgte eine Ausbildung zum Industriekaufmann IHK und zur Fremdsprachenkorrespondentin Englisch. Anschließend ein Belletristik-Studium.
Sie ist verheiratet, wohnt heute in Bielefeld und ist Mehrfachpatin bei World Vision.
Als Autorin und Schriftstellerin veröffentlichte sie 11 eigene Bücher. Während ihrer Brustkrebserkrankung 2007 entstanden fünf Lyrikbände. „Ein Stück Himmelszelt“ (2012) beinhaltet ihr lyrisches Gesamtwerk. Veröffentlichungen in verschiedenen Anthologien. Sie ist außerdem Mitglied der DHG und widmet sich der japanischen Kurzlyrik

Abgesägt der Baum –
in den Schlingen des Krans
schweben hundert Jahre

Mit dem Krückstock
aufs Storchennest zeigen
in der Kirchenruine

Das Flackern
des Windlichts hinter der
Haustürverglasung

Vom kahlen Ast sich
Glitzertropfen schnappen –
die Blaumeise

Hummeltreffen
in der
Riesenklatschmohnblüte

Angelika Holweger
Jahrgang 1954, wohnt in Epfendorf-Trichtingen, Beruf: Angestellte/Hausfrau.
Angelika Holweger wurde im Schwabenland geboren.
Sie ist verheiratet und hat drei erwachsene Söhne.
Seit 2002 fortlaufende Ausbildung an einer privaten Kunstschule in verschiedensten Maltechniken und Holzschnitt, seit 2007 intensive Beschäftigung mit der japanischen Dichtung, Teilnehmerin an den monatlichen Literaturtreffs in Rottweil unter der Leitung von Kunsthistoriker und Lyriker Egon Rieble, Mitglied beim Kunsttreff der EB Dietingen und Teilnehmerin des regionalen Haikutreffs Tübingen unter der Leitung von Volker Friebel. Angelika Holweger fotografiert sehr gerne und hat zwei Bücher veröffentlicht: in „Und immer wieder blüht die Sehnsucht“ ist ältere Lyrik zu lesen, das neue Buch „vorbei am Acker der Kindheit“ beschränkt sich auf Haiku, Haibun und Haiga.

Mittsommer
am Rande der Schatten
Schmetterlinge

blaue Stunde …
wir treffen uns
bei den Sternen

heimwärts
dieser Sternenhimmel
niemand wartet

aus Nachtwelten …
die Amsel ruft mich

gefüllte Akelei den Nachthimmel aufblättern

Birgit Schaldach-Helmlechner
Jahrgang 1961, wohnt in Schlüchtern. Beruf: Selbstständige Tätigkeit mit den Schwerpunkten Entspannungs- und Mentaltraining, energetische Körperarbeit.
Birgit Schaldach-Helmlechner engagiert sich ehrenamtlich in der Hospizarbeit. 2009 – nach langer Pause – hat sie wieder zum Schreiben von Lyrik und Kurzprosa gefunden und bewusst die Haiku-Form entdeckt. Seit 2011 regelmäßige Veröffentlichungen in Anthologien, Zeitschriften sowie auf Internetpräsenzen.

Zwischen zwei Häusern
Schatten auf schmalem Lichtstreif
bleiben wir

Stilles Wasser
aufgeschuppt vom Flügelschlag
blauer Libellen

Baumwollfrüchte…
als streiche der Wind nun sanft
durch Kükenhaar

nicht allein
so weit der blick reicht
gekrümmte birken

orangenblüten
ein sehnen in diesem duft
das mich trägt

Heike Gericke
Jahrgang 1968, wohnt in Chemnitz, Beruf: Sekretärin.
Heike Gericke wurde in Karl-Marx-Stadt (heute Chemnitz) geboren und wuchs dort auf. Es folgte eine Ausbildung als Sekretärin.
Sie hat 1990 geheiratet und seit 1992 stolze Mutter einer Tochter.
Sie hat sich schon immer für die deutsche Sprache interessiert und bezeichnet sich selbst als Leseratte. Nach vielen Augen-OPs im Herbst 2012 hat sie zum Haiku gefunden.

Schneeflocken…
noch einmal
tanzen

Wind in den Bäumen…
dieses ewige Spiel
zwischen dir und mir

das Rütteln eines Falken –
ich warte immer noch
auf Mr. Right

die Frage nach der DDR…
ich schaue hinaus
zu den Vögeln

Silvia Kempen
Jahrgang 1958, wohnt in Apen, Beruf: Landw. Techn. Assistentin.
Silvia Kempen lebt in einem Dorf im Ammerland. Sie schreibt Haiku seit 2005, später auch dem Haiku verwandte Lyrikformen. Von 2009 – 2013 war sie im erweiterten Vorstand der Deutschen Haiku-Gesellschaft und Redaktionsmitglied der Zeitschrift SOMMERGRAS (Vierteljahresschrift der DHG). Seit November 2013 setzt sie auf http://tageshaiku.blogspot.de täglich ein Haiku wechselnder Autoren und Begleitbeiträge ein.
Eigene Website: www.lyrikbaum.de

die Uhr steht
hinter geschlossenen Augen
das Mohnfeld

Sterne –
der Wunsch zu wissen
was da ist

Blitz und Donner
deine Hände
verändern meine Welt

Mondschau –
der Moment zu reden,
vorbei.

zum Geburtstag
hat doch der Hund
mir einen Floh
geschenkt

Eva Limbach
Jahrgang 1958, geboren, aufgewachsen und wohnt auch heute noch in Saarbrücken, Beruf: Apothekerin.
Eva Limbach ging zur Schule und machte ihr Abitur in Saarbrücken, danach 3 Jahre Heilpraktikerschule, anschließend Studium der Pharmazie. Sie arbeitet seit Jahren in einer Apotheke im Ort und befasse sich viel mit Homöopathie.
Eva Limbach ist seit sechzehn Jahren zum zweiten Mal verheiratet, hat drei erwachsene Kinder.
Lyrik interessiert sie seit der Schulzeit. Mit Haiku beschäftigt sie sich seit 2012 und …. „nun ist es zur Sucht geworden“!
Blog: http://evamaria-limbach.blogspot.de/

Ungeschminkt
die 10000 Farben
des Meeres

Traumfänger
die Schwere
des Morgenlichts

mein Weg
die Spuren
gefallener Worte

Nachsommer –
am Boden liegen noch
die blauen Sterne

ins Wort
gefallen
Novemberschnee


Würdigungen der preisgekrönten Haiku

Bis zur Eichenbank
noch immer der Duft aus
Vaters Rosenbeet
Regina F. Fischer

Regina Fischer ist ein Haiku gelungen, das Leserinnen und Leser auf mehreren Ebenen anzusprechen vermag. Zuerst einmal ist da der Anklang an die Jahreszeit. Sommer, die Zeit, wenn die Königin des Gartens ihre Pracht für die Sinne entfaltet. In diese Pracht mischt sich ein beinahe sehnsüchtiger Gedanke. Der Gedanke an das, was nicht mehr ist und dennoch bleibt. Das Rosenbeet des Vaters hat die Zeit überdauert und gibt noch etwas von seinem Erbauer preis, den Duft. Ein durch und durch tröstliches Bild einer ganz anderen Art von Erbe. Denn dieses Erbe macht nur reich, wenn man es mit seinen eigenen Erinnerungen mischt. Vielleicht als der Vater noch den Spaten in der Hand gehabt hat und mit der Schere an den Trieben zugange gewesen ist. Das bleibt und kehrt von Jahr zu Jahr wieder. Lebenszeit über das Leben hinaus. Dazu passt in der ersten Zeile die Eichenbank. Sie ist unverrückbar, genau wie die damit verbundenen Erinnerungen. Wohl dem, der sich in der Nähe von Vaters Rosenbeet niederlassen darf.
Stefan Wolfschütz

Mondesaufgang
der Klostergarten atmet
alte Stille
Angelika Holweger

Ein geradezu klassisches Haiku, obwohl die beiden Zeilen 1 und 3 um eine Silbe gekürzt wurden. Wahrscheinlich sollte aber in diesem Zusammenhang wenigstens die formale Symmetrie gewahrt bleiben, was dann allerdings zu der ziemlich gestelzten, antiquierten Wortbildung „Mondesaufgang“ führte. Dieses stilistische Manko wäre allerdings leicht zu vermeiden gewesen, hätte die Autorin den „Mondaufgang“ einfach durch Auslassungspunkte verlängert.
Ansonsten strahlt dieses Haiku jedoch eine überaus überzeugende Atmosphäre aus. Vor allem das Hinzufügen des Eigenschaftsworts „alte“ ist das, was ihm seine besondere Eigenwertigkeit verleiht. Zunächst beeindruckt die schlagreimartige Alliteration der anfänglichen A bei „atmet“ und „alte“, welche Nachdruck verleiht, Verweilen suggeriert. Der Zeilensprung untermalt sodann zusätzlich die Überbrückung der Zeiten, bindet die momentane, irdische Beobachtung sozusagen kosmisch an, an die Stille des Weltraums. Fueki to ryûkô, dies sind die Kriterien für das wahre Haiku: das Un- und stets Wandelbare in Kombination.
Klaus-Dieter Wirth

Kindheitsgarten
der Weidenstumpf treibt wieder
Flötentöne aus
Birgit Schaldach-Helmlechner

Formal lehnt sich das Haiku stark an die traditionell gepflegte Silbenformel 5-7-5 an, ebenso der Einstieg, der mit der ersten Zeile den Leser direkt an den Ort des Geschehens bringt. Aber da ist mehr, denn „Kindheitsgarten“ lässt aufhorchen, oder besser zurückhorchen. Die eigene Kindheit wird schlagartig lebendig: toben, entdecken, ausprobieren – all das beginnt im Kopf des Lesers zu summen. Und dann gerät der Weidenstumpf in den Mittelpunkt. Aber Weiden, zu Stümpfen zurückgestutzt, geben nicht einfach auf. „treibt wieder“ steht geradezu selbstverständlich für ihren fast unbändigen Lebenstrieb. Und mit dem Austreiben werden weitere Erinnerungen wach – denn die letzte Zeile bringt eine feine überraschende Wendung. War es der Großvater, der aus einer fingerdicken Weidenrute die erste Flöte schnitzte und ihr nach anfänglichem „Katzenjammer“ erste Melodien entlockte?
Und heute? Vielleicht noch einmal aus den frischen Weidenzweigen eine Flöte schnitzen – um an einem Laichgewässer mit Froschmännchen in ihr Konzert einzustimmen? Der Kindheitsgarten lockt!
Erinnerungen, Erwartungen, Aufbruch in die Vergangenheit: all das steckt im Haiku, das den Leser mit einem leicht wehmütigen Lächeln entlässt.
Weidenflöten sind etwas sehr endliches, sie trocknen aus und funktionieren dann nicht mehr. Es gilt also, die Zeit zu nutzen.
Claudia Brefeld

Umzugstag
die 50 Facebookfreunde
verspäten sich wohl
Heike Gericke

Das Leben in der Jetztzeit und deren digitalen Möglichkeiten sind uns mittlerweile zur zweiten Haut und der tägliche Blick in den elektronischen Briefkasten fast schon zur zwanghaften Handlung geworden. Die Welt rückt immer mehr zusammen sollte man meinen, obwohl auch das ein Trugschluss zu sein scheint, wenn man die fast schon unübersichtlich gewordenen Krisenherde berücksichtigt, die eher darauf hindeuten, dass es eigentlich wie seit Urbeginn der Erde immer nur scharf voneinander abgegrenzte Interessensgemeinschaften gibt. Oder ist das jetzt doch ein zu schnell und unüberlegt geäußertes Vorurteil? Facebook wird mir immer mal wieder als das Portal der Portale ans Herz gelegt und ich erinnere mich dabei sofort an jenen Fall, als mal einer zum Geburtstag eingeladen hatte und sich dann tatsächlich weit über hundert „Freunde“ vor der Haustür drängten, was dann irgendwie eher für Verdruss als Freude sorgte.
Das Sieger-Haiku hat diesem Umstand mit einer tragikomischen Variante Rechnung getragen die keine Schadenfreude aufkommen lässt, sondern eher dazu angetan ist, dem Umzügler Trost zuzusprechen. Zwischen den Zeilen lese ich heraus, dass das Schleppen von Möbel offensichtlich kein Spaßfaktor ist und man einen solchen Ernstfall besser mit den unmittelbaren Nachbarn im Gespräch erörtert, um am Ende nicht allein auf dem Problem sitzen zu bleiben, wie es der oder die User(in) in dem auf Platz 2 gelandeten Haiku empfindet.
Georges Hartmann

allein
ein Klick
für den tausendsten Freund
Silvia Kempen

Je nach Perspektive, von innen unter dem Aspekt der Wehmut, der Hoffnung gesehen, handelt es sich hier um ein Haiku, von außen unter dem Aspekt der Satire, um ein Senryû. Aber das nur am Rande.
Schon rein formal ein überzeugender Aufbau! Die beiden kargen Einleitungszeilen spiegeln perfekt eine situative Einsamkeit wider. Die der Autorin? Dem gegenüber steht deutlich sichtbar die Länge der Schlusszeile, unterstrichen durch die inhaltliche Kontrastierung von „allein“ = „ein(s)“ und „tausend“. Dazu bringt diese Zeile den für das Haiku so charakteristischen Überraschungseffekt. Versuchen wir diese Opposition auf einen gemeinsamen Nenner zu bringen, so ergibt sich bittere Ironie zugleich als Zeitkritik weit über die Aktualität hinaus: die Schizophrenie der modernen Medienwelt.
Klaus-Dieter Wirth

wiedergefunden
im World Wide Web
all meine Fragen
Eva Limbach

Was treibt einen Menschen um, selbstverloren im WWW zu surfen? Lenkt es ihn vom eigentlichen Leben ab, dem Leben mit seinen drängenden Fragen, die kein offenes Ohr eines Freundes gefunden haben, so dass man sie frustriert und suchend (vielleicht) in Internet-Foren formuliert? Virtuelle Angebote bieten Zerstreuung und so bleiben sie unbeantwortet und geraten in Vergessenheit, fallen durch die losen Maschen unverbindlicher Kontakte. Vielleicht durch eine erneute Suche stößt man wieder per Zufall auf sie – immer noch unbeantwortet. Es ist ein Treten auf der Stelle, ein Zurückwerfen auf einen Ausgangspunkt, den wir auch irgendwann aus den Augen verloren haben. Und so drängen sie im Kopf wieder nach oben, die Fragen – ein Kreislauf, der sich so nicht auflösen lässt – eine Endlosschleife aus Alleinsein und Abgelenktheit, die uns zwischendurch immer nur wieder aufzeigt, dass wir auf unser eigenes Suchen stoßen.
Es beginnt so hoffnungsvoll mit „wiedergefunden im World Wide Web“ – und endet mit der überraschenden Wendung aus offengebliebenen Fragen. Fasst meint man, ein wenig Dankbarkeit herauszuhören, dankbar, dass man sein Suchen wiedergefunden hat, dankbar, dass da überraschend ein Anknüpfungspunkt zu sich selbst wiedergefunden wurde. Denn das WWW vergisst nichts, wie man so schön sagt. Eine tragikomische Verschlingung?
Claudia Brefeld

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