Haiku-Treffen 2011
Vom 27. bis 29. Mai 2011 fand in Oldenburg das DHG-Treffen 2011 statt.
Das Programm
27. Mai 2011
Treffen im Hotel Heinemann: Ankommen und Kennenlernen, Vorstellungsrunde, allgemeiner Austausch und Diskussionen
- Inge Börner, Christa Beau (br)
- Gerd und Inge Börner (br)
- David Lanou, Kathleen Davis (br)
- Ingrid Petrasch, Maria Pohlmann, Martin Baumann, Rita Rosen, Silvia Kempen (br)
- Klaus-Dieter und Beate Wirth (br)
- Stefan Wolfschütz, Erika Wübbena, Gabriele Reinhard (br)
- Maria Pohlmann, Ingrid Petrasch (br)
- Gerard Krebs, Volker Friebel (br)
- Elisabeth Kleineheismann, Maren Schönfeld (br)
- Georges Hartmann, Gerard Krebs (br)
- Heike Stehr, Gitta Hofrichter (br)
- Martin Baumann, Rita Rosen (br)
- Petra Klingl, Simone Knierim-Busch (br)
- Stefan Wolfschütz, Klaus-Dieter und Beate Wirth (br)
- Gitta Hofrichter, Rita Rosen (br)
- Elisabeth Kleineheismann (br)
- Gerard Krebs, Erika Wübbena (br)
- David Lanou, Maria Pohlmann (br)
- Georges Hartmann, Gerd Börner (br)
- Ingrid Petrasch, Kathleen Davis (br)
- Heike Stehr, Silvia Kempen (br)
- Gabriele Reinhard, Maren Schönfeld (br)
- Elisabeth Kleineheismann, Petra Klingl (br)
- Maren Schönfeld, Simone Knierim-Busch (br)
- Petra Klingl, Christa Beau (br)
28. Mai 2011
Aktionen im Botanischen Garten der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg am Standort Philosophenweg
- Überall Haiku :) (br)
- Herzlich willkommen! (br)
- Haiku – frisch gewachsen (br)
- (br)
- (br)
- Haiku im Grün versteckt (br)
- Begrüßung durch den DHG-Vorsitzenden Georges Hartmann mit anschließendem Einführungsvortrag von Klaus-Dieter Wirth, u. a. mit Antworten zu den beiden Fragen "Was ist ein Haiku?" und "Warum Haiku?" aus heutiger Sicht
- (br)
- Begrüßung durch den Vorsitzenden (br)
- Claudia Brefeld (br)
- Brigitte Reuther (mb)
- David Lanou (mb)
- Erika und Fine Wübbena (mb)
- Vortrag von Klaus-Dieter Wirth (rb)
- David Lanou, Stefan Wolfschütz (mb)
- (rb)
anschließend
- Haiku-Werkstatt mit Klaus-Dieter Wirth: Übertragungen von japanischen Haiku ins Deutsche, ein zunächst ungewöhnlich anmutender Ausgangspunkt, letztlich jedoch eine ebenso spannende wie lehrreiche und amüsante Erfahrung
- (hst)
- (br)
- (rb)
- Umsetzung eines Haiku in Ikebana durch Anke Helm-Brandau
Den Blick auf die Bucht
den ich sonst im Liegen genoss
versperrt mir neuer Bambus
- (br)
- (br)
- (br)
- (br)
- (br)
- (br)
- Pause
- (br)
- Brigitte Reuther (hst)
- (br)
- (br)
- Heike Stehr (br)
- (br)
- Kathleen Davis (br)
- Stefan Wolfschütz (mb)
- Elisabeth Kleineheismann (mb)
- Georges Hartmann (mb)
- Familie Hoffmann von der deutsch-japanischen Gesellschaft Nordwest zu Oldenburg und ihr Kuchenbuffet für uns (br)
- Silvia Kempen und Martina Hoffmann (br)
- Herr und Frau Hoffmann (br)
- Am Buffet (br)
- Maria Pohlmann, Bea Bareis, Simone Knierim-Busch (br)
- (br)
- Bea Bareis (br)
- Kerstin Neumann (br)
- Bücherstand – Möglichkeit zur Signierung durch den Autor David Lanoue
- David Lanou (mb)
- Erika Wübbena (mb)
- Stefan Wolfschütz (mb)
- Erika Wübbena (mb)
- "Die drei zeitgenössischen Haikustile", Vortrag von Klaus-Dieter Wirth
- Lesung von Kettendichtungen durch Gabriele Reinhard und Silvia Kempen
- Lesung von Haibun durch Ralf Bröker und Claudia Brefeld
- Seminar zu Tan-Renga mit Claudia Brefeld und Volker Friebel
- Workshop (hst)
- (br)
- Workshop (hst)
- Gerard Krebs, Margareta Hihn (hst)
- Workshop (hst)
- Maren Schönfeld, Inge Börner, Martin Baumann (hst)
- "Haiku-Erste Schritte", Workshop mit Georges Hartmann und Rita Rosen
- (br)
- (br)
- (br)
- (br)
- (br)
- (hst)
- Malen zu Haiku
- von Christa Beau (hst)
- von Heike Stehr (hst)
- von Elisabeth Kleineheismann (hst)
- von Elisabeth Kleineheismann (hst)
- von Elisabeth Kleineheismann (hst)
- von Elisabeth Kleineheismann (hst)
Am Abend
"Voller Mond" - Lesung mit David Lanou
- David Lanou (br)
- Stefan Wolfschütz (br)
29. Mai 2011
- Mitgliederversammlung
- (br)
- (rb)
- (br)
- Kraniche von Katrin Lauer (hst)
- der alte & neue Vorsitzende Georges Hartmann (hst)
- Kalligrafiekurs
- (br)
- (rb)
- (br)
Ein Dankeschön den Fotografen:
Martin Baumann (mb)
Ralf Bröker (rb)
Brigitte Reuther (br)
Heike Stehr (hst)
Ah! Oldenburg! Ah! Ah! Oldenburg! Ah!
(nach Bashô: Ah! Matsushima! (…))
Ein sehr persönlicher Bericht von Ingrid Petrasch
Vorbemerkung: Ich liebe die Spontaneität – sie enthebt uns der meisten und beschwerlichsten Verpflichtungen! Bspw. wenn sich Besuch ansagt – oder wenn man weiß, dass man einen Bericht schreiben soll. Deshalb bin ich Georges Hartmann zu großem Dank verpflichtet: Er hat mich um diesen Bericht gebeten, als alles schon so lang vorbei war, sodass ich mich leicht auf fehlende Aufzeichnungen bzw. Gedächtnislücken berufen kann!
So ist es richtig! Erst mal gemeinsam essen! Aber nein! Ich bedaure es nicht, dass mich die Nachricht zu diesem TOP zu spät erreicht hat: Ich bin viel zu aufgeregt, um jetzt zu essen, beschäftige mich statt dessen ungehörigerweise damit, die Runde beim Essen zu betrachten; ich kenne sie ja alle bisher nur von der Website der DHG! So – im Genuss der Erwartung und dann des, wie ich höre, guten Essens – sind die Mienen sogar noch sympathischer, als ich sie von den Fotos her kenne …
Am Samstagmorgen treffen sich der Größte und die Kleinste am Büfett: Martin Baumann und Ingrid Petrasch. Er ist schon seit 10 Jahren in der DHG. Ich verschone ihn mit weiteren Fragen; es wird sich ergeben. Das Geräusch der knackigen Brötchen ist jetzt angenehmer als jedes andere!
Allmählich füllt sich der Tisch, und pünktlich um halb neun fahren alle runter in die Stadt zum Botanischen Garten. Ich hänge mich ein bisschen an Maria Pohlmann. Ihre sanfte, ruhige Art gefällt mir. Sie ist eine der ältesten Teilnehmerinnen, aber sie hat ein ganz junges „kokoro“.
Ah! Der Blumengarten mit den Haiku-Stecktafeln! Das habt ihr so schön gemacht, Silvia Kempen, Claudia Brefeld, Georges Hartmann und wer sonst noch alles mitgewirkt hat! Die Worte machen die Blumen (und Gräser und Büsche) leuchten – und umgekehrt! Das gilt für den prachtvollen roten Gartenmohn ebenso wie für die Gänseblüm-chenwiese! Über der Letzteren schweben vollkommen schwerelos die zwei Zeilen von Heike Stehr („Above all / the lark song“), – und mir wird zweierlei klar: 1. Meine Lerchen-Dreizeiler kommen nicht durch den nächsten TÜV: Die Anhängelast für Lerchen ist mit mehr als 7 Silben weit überschritten – und 2. Auch Mathematiker/innen können Haiku schreiben! – So lächeln wir uns durch den Garten … Alle scheinen zu lächeln, denen wir kreuz und quer begegnen – und alle stehen mehr oder weniger tief gebückt, also in der rechten demutsvollen Haltung eines Japaners gegenüber einer Respektsperson, einem Freund oder einer Blume … (Endlich versteh ich, was dieser Glückskeks-Text von meinem letzten Geburtstag mir sagen wollte … Ich solle mich „öfter einmal bücken“ … Also waren doch nicht Schaufel und Kehrbesen gemeint …) Zuletzt verneige ich mich vor meinem japanisch gurrenden Täuberich aus dem Obermaintal. Ich habe ihm viel zugemutet – ihn weggeholt aus Franken, teilübersetzt ins Japanische (aus „gugurruh“ wurde „kokoro“) und schließlich zur Schau gestellt in Oldenburg …
Nachdem wir dem Garten und den Versen unsere Referenz erwiesen haben, finden wir uns im Botanikum, neben dem Tropenhaus, zusammen und können während der Begrüßung durch Georges Hartmann und des einführenden Vortrags von Klaus-Dieter Wirth („Was ist ein Haiku?“ und „Warum Haiku?“ aus heutiger Sicht) schon mal fühlen, wie die „globale Erwärmung“ sich demnächst anfühlen wird. Silvia hat dafür gesorgt, dass der Autobahnlärm draußen bleibt und der Wind keine Scheiben zerbricht – nun aber sitzen wir wie die Fliegen im umgestülpten Bierglas.
Und wohin nun? Man möchte ja am liebsten alles sehen und anhö-ren! Am liebsten sind mir die Workshops. Also noch mal Klaus-Dieter Wirth. „Übertragungen von japanischen Haiku ins Deutsche.“ Vier Haiku waren ausgewählt, die Bestandteile ins Deutsche übertragen, mit kurzen, hilfreichen Hinweisen zum jeweiligen Kontext. Ich zitiere sie hier entsprechend meinen Notizen. Das erste, es ist von Seiho AUDANO, lautet: „haru oshimu / kokoro hisureba / oini keri“. Die Wortbedeutungen sind: Frühling / bedauern / Herz, Gemüt / verbergen / altern und ein Ausruf des Erstaunens (eine Erinnerung wachrufend). Man möge es mir nicht als Eitelkeit anrechnen, dass ich hi er nur einen meiner eigenen Versuche notiert habe; gern hätte ich alle notiert, aber dafür ging es zu zügig voran.
Das zweite, von Shiki MASAOKA, lautet: „ajesai ya ao ni kimarishi aki no ame“ (Hortensie / oh! ah! als Schneidewort / blau / Partikel, dass das Ergebnis einer Veränderung bezeichnet / Form eines Verbs + Hilfsverb, eine Erinnerung hervorrufend / Herbst / Regen.) Klaus-Dieter Wirth bezeichnete es als das wohl am leichtesten zu Übertragende; mir fiel es am schwersten.
Das dritte sprach mich sofort sehr an: Es ist von dem 1914 gebore-nen Hiryoshi TAGAWA und lautet: „mado ni yuki jibun no hone no nega hakobu“. Der Wortschatz: Fenster / ni als Partikel für die Ortsbezeichnung / Schnee / weiß / sich selbst / Bezugspartikel der Zugehörigkeit / Knochen / Röntgenaufnahme / bei sich haben, tragen, mitnehmen. „Vor dem Fenster: Schnee / Meine Knochen trag ich bei mir / als weißes Bild“. Es war die „Zusammenschau“ des Naturbildes von eisigem Schnee und der „coolen“ technischen Reproduktion, die wortlose Klarheit und Melancholie der beiden Todesbilder – trägt man sie nicht immer „in der Tasche“? – die mir gefiel.
Das vierte und letzte ist von Santoka TANEDA und lautet: „mizu no aji mo min i shimu aki to naru“ (Wasser / Bezugspartikel für Zugehörig-keit / Geschmack / mo als Partikel, das hier eine Voraussetzung als Hauptgegenstand hervorhebt / Körper / Partikel für ein Ziel, eine An-kunft, eine Bewegung / eindringen.)
Nun tritt die sicherlich unverhoffteste „Sonderkondition“ des Wochenendes ein! Sie schwebt in der feenhaften Gestalt von Frau Martina Hoffmann von der Deutsch-Japanischen Gesellschaft Nordwest zu Oldenburg in den Raum und balanciert hoch über ihrem silberblonden Haarkranz eine Torte nach der andern zum Büfett: Kunstwerke aus Baiser und Biskuit, aus Sahne, Him-, Erd- und Stachelbeeren, aus Rhabarber und aus Schokolade, schwarz wie Kalligrafietusche – neun an der Zahl, und es erfordert schon „japanische“ Disziplin, sich nicht gleich darüber herzumachen! (Ach, Martin, hättest du bloß keine Brötchen gegessen!)
Die Umsetzung eines Haiku in Ikebana durch Frau Anke Helm-Brandau versammelt viele Besucher. Das von ihr ausgewählte Haiku lautet: „Den Blick auf die Bucht / den ich sonst im Liegen genoss / versperrt mir neuer Bambus“ „nete mieshi ura o fusegu ya kotoshi-dake“. (Aus: Ekkehard May und Claudia Waltermann (Hrsg.): Bambusregen – Haiku und Holzschnitte aus dem „Kagebôshishû“, Frankfurt a. M./Leipzig 1995, Insel Verlag, S. 24). Wie? Hat etwa das Handtuch nicht geholfen gegen den missgünstigen Bambus? „Pardon, liebe Frau Helm-Brandau!“ Wenn der Mensch auf den Kuchen warten muss, wird er zuweilen mäkelig! Eine Bonsai-Bucht entsteht, und ich fantasiere, die Künstlerin würde meine Lieblings-Urlaubsinsel, den Dorfplatz von Isling, darstellen, den Teich, die Frösche, die Wirtschaft, den Wirt … aber dann bin ich doch gefangen genommen von der traumwandlerischen Sicherheit, mit der Sand, Fels, Baum und Meer ihren Platz finden in einer Schale mit dem Durchmesser eines kleinen Waschbeckens. Sicherer konnte sich selbst das sagenhafte Götterpaar Izanagi und Izanami nicht gewesen sein, damals, als es Mallorca entworfen hat! Und das Ganze ohne Scheren, Messer und andere brutale Kürzungswerkzeuge: ein sanftes, ein ganz und gar weibliches, ein BIO-Ikebana! – Warum findet man übrigens auf dem sog. Büchermarkt kaum Foto-Haiku-Bände? Es ist nicht dasselbe wie mit den lebenden Objekten, aber sehr schön! Auch unbelebte Objekte können zum Haiku-Schreiben anregen, wie man hier sieht.
„Die drei zeitgenössischen Haiku-Stile“ lautet der dritte Vortrag von Klaus-Dieter Wirth. Wieder faszinieren mich die „Schneidetechniker“ unter den Haiku-Machern. Es sind vorwiegend Briten, und ich bedaure es wieder, dass offenbar Scherz, Satire, Ironie oder gar tiefere Bedeutung hierzulande weniger Zuspruch finden. Mag sein, es liegt an der Prägnanz der englischen Sprache. Sie trifft den Kern der Sache oft sehr zielsicher – ohne ihn gleich zu spalten …
Zwei Beispiele aus Klaus-Dieter Wirths Vortrag:
In the woodpile
the broken axe handle
Moon's brightness I wonder where they're bombing
Ist das „schwarzer Humor“? Oder ein Hieb in das gefrorene Meer in uns?
(Kafka an Oskar Pollak 1904: „(…) ein Buch muss die Axt sein für das gefrorene Meer in uns.“ Gesammelte Werke. Briefe 1902-1924, S. 27 f. Frankfurt: Fischer 1958.)
David Cobb könnte man sich dagegen als eine Art „O!-Allergiker“ vorstellen:
It's no use mouthing
O! after O!
I don't speak gold fish
Klaus-Dieter Wirth sagt, er möge dieses Haiku sehr. Er wird seine Gründe haben …
Volker Friebel gibt eine Einführung in die Tanka-Dichtung und wir beide lesen im Wechsel eine von Volker zusammengestellte Auswahl vor – die meisten von Ingrid Kunschke und von Sabine Sommerkamp (beide vielfach preisgekrönt). Und Ingrid Petrasch, die Neue, darf zwei eigene lesen … (Wunderbar, das eigene Gedicht, und sei es noch so ein Stiefkind, von einer ganz anderen Stimme und einer derart wohlklingenden dazu, vorgetragen zu hören! Danke, Volker!)
Es folgt der Tan-Renga-Workshop, den Volker Friebel und Claudia Brefeld vorbereitet haben. Die Teilnehmer sitzen wieder am langen Tisch. Die mitgebrachten Oberstollen werden reihum weitergereicht und aus der Eingebung des Augenblicks heraus mit Zweizeilern ergänzt. (Zarte bunte Papier-Kraniche von Katrin Lauer beflügeln dabei unsere Fantasie …) Mein „Versgebinde“ aus Distel und Sonnenblume (disteln am wegrand / dahinter bis zum horizont / (die) sonnenblumen!) erregt Befremden. „Das passt doch nicht zusammen!“ ... „Es bedarf vielleicht der Erläuterung“. Die gebe ich kurz und bekomme einen wertvollen Hinweis von Gabriele: „Mach doch ein Haibun daraus!“ (Ich befolge den guten Rat und schicke mein allererstes Haibun von Berlin nach Frankfurt. Die Reaktionen darauf haben mich sehr gefreut.)
Ein zweites Aha-Erlebnis war für mich der Unterstollen, den Ralf Bröker geschrieben hat. „Das Straßenschild / blitzblank“. Ein starker Scheinwerfer holt die womöglich etwas sentimental erscheinende Naturszenerie des Oberstollens in die Wirklichkeit und macht erst richtig verständlich, worum es geht. „Da geht’s lang!“ hab ich im Ohr, in der entschlossenen Stimme eines, der gelernt hat, seinen point of interest anzusteuern, möglichst ohne Umleitung. Und ich nehme mir vor, freier zu werden … Den Anfang mach ich schon mal, indem ich Ralf Brökers Hinweis folge und die „Sonnenblumen“ für sich allein stehen lasse.
Nun lesen Gabriele Reinhard und Silvia Kempen Rengay in wechselnden Rollen. Das ist wieder ein so ganz besonderes Erlebnis: Diese Harmonie, die im Wechsel der Stimmen und Attituden ganz verschiedene Facetten zeigt, neue Akzente setzt … Erstaunlich. – Ebenso die Lesung von Haibun durch Claudia Brefeld und Ralf Bröker. Ich glaube am Ende war er es, der ein Haibun von Georges Hartmann las. Und es ist eigenartig, wie in dem Raum zwischen der Stimme des Autors und der des Lesenden immer etwas geschieht, das beim Selbstlesen ausbleibt. (Es bewirkt ja auch beim schläfrig und krummbucklig zusammengerutschten Schüler wenig, wenn er im Zen-Brevier liest, dass der Stock des Meisters gleich auf seine Schulter herabsausen wird. Es fehlt der Schmerz! Manchmal, da treibt ja dieser Schmerz dem Dichter selbst die Tränen in die Augen …)
… Und was sagt Georges Hartmann am Abendbrottisch darüber? „Ich wollte immer das ernsteste Haiku schreiben – aber die lachen ja immer!“ Lieber Georges! That’s it!
Es folgt ein weiteres Highlight. David Lanoue liest aus seinem neuen Buch „Voller Mond“. Herrlich! Woran liegt es? Wieder an der (Mutter-) Sprache? Am mitreißenden Vortrag? Sicherlich jedenfalls am Humor, mit dem David Lanoue Orte und Typen und Situationen „wie mit der Fliegenklatsche“ einfängt – nein! Er bringt sie ja nicht um! Im Gegenteil! Man hört übrigens, als Stefan Wolfschütz dann den Text auf Deutsch liest, dass sich ein Text wirklich nur auf dem Papier kopieren lässt – der Sprecher macht jedes Mal einen neuen! Stefan Wolfschütz liest Davids Text ebenso temperamentvoll, aber in der etwas cooleren Art, und es kommen wieder andere Facetten zum Vorschein.
Am Morgen treffen wir uns wieder: Martin Baumann, der immerhin rund 40 cm Körperlänge mehr zu ernähren hat als ich, und die, die abends mit den Hühnern zu Bett ging und morgens „mit dem Hahn tanzt“. Leider ist Claudia Brefeld krank. Silvia Kempen ist „bloß“ sehr erschöpft; kein Wunder! Was die beiden, besonders Silvia Kempen vor Ort, in den letzten Monaten für das Gelingen dieser drei Tage geleistet haben, verpflichtet uns alle zu Dank und Bewunderung!
Es geht wieder lustig zu. Georges Hartmann ruft andauernd „Ich bin’s nicht gewesen!“ Na, Hauptsache, er will’s noch mal werden, nämlich Vorstandsvorsitzender! Ich empfehle die spitzigen Spargel aus der Vase, falls es zum Showdown kommen sollte; – und die Gänsefedern wären als Folterwerkzeug geeignet, falls Georges Hartmann die Annahme der Wahl verweigern sollte. Nebenbei teile ich Georges Hartmann mit, dass ich leider vor der Mitgliederversammlung heimfahren muss. Er reagiert (ernst) wie der Tragöde im Amphitheater von Sparta und (ulkig) wie Striese, Theaterdirektor im „Raub der Sabinerinnen“. „Huhuuu! (…)“
Mir ist auch zum Heulen zumute, als ich Auf Wiedersehen zu so vielen netten Menschen sagen muss. In Burg steigen wir aus. Da merke ich erst, dass ich immer noch lache ...
Vor dem Fenster Sonne
Jene Tage trag ich bei mir
Wie die Schwalbe den Sommer
Weitere Fotos und Momente zum Treffen gibt es auf der Homepage von Claudia Brefeld.


































































































