Marion Naumann d‘Alnoncourt, die am 7. Oktober 2011 gestorben ist.
Mein Weg zum Haiku führte über die Kunst des Ikebana, mit der ich mich seit vielen Jahren beschäftige. In beiden japanischen "Wegen" geht es darum, eine bisher unsichtbare Eigenschaft des Betrachteten zu entdecken und durch eine neue Zusammenstellung der Bilder, beziehungsweise des Materials, erlebbar zu machen.
Im Ikebana sind es oft wertlose Fundstücke, ein Blatt, das Blei einer Regenrinne, verrostete Metallteile, Treibholz ..., deren Schönheit ich in einer neuen Ordnung aufscheinen lassen möchte.
Im Haiku sind es häufig unscheinbare Erlebnisse und Wahrnehmungen, die ich wie eine Momentaufnahme festzuhalten versuche.
Ramona Linke am 11.10.2011 um 20:30
lichter Morgen …
die weißen Chrysanthemen
von Tau benetzt
Claudia Melchior am 12.10.2011 um 11:12
offene Hände
gefüllt mit Blütenblättern
dem Wind hinhalten
Hans-Jürgen Göhrung am 13.10.2011 um 19:00
unterwegs…
der Wind zupft welke Blätter
von der Blüte
Ralf Bröker am 14.10.2011 um 23:00
Tasse Tee
diese Wolke
darin wird Tee
Heike am 16.10.2011 um 21:26
aufrecht
die Tulpen im Ikebana
… du gehst
Claudia Brefeld am 25.10.2011 um 00:37
Morgendämmerung -
der Wellensaum berührt
deine Spur von gestern
Inge Böffgen am 26.10.2011 um 10:13
im Ohr
ein leiser Abgesang
für eine Blüte